Roter Horntang (Ceramium virgatum)

EN: Red hornweed NL: Rood hoorntjeswier DK: Almindelig klotang
Kurzbeschreibung Häufigste rote Puschelalge des Wattenmeeres
Fundhäufigkeit 14 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung
Weltweit, Europa, Kanada, Südamerika, Australien In gemäßigten bis subtropischen Gewässern fast weltweit verbreitet. In Europa vom westlichen Mittelmeer bis Nordkap und Island, im Wattenmeer und der westlichen Ostsee überall. Eingeschleppt in Kanada an der Atlantik- und Pazifikküste, außerdem vielerorts an der südamerikanischen Pazifikküste und in Australien.
Status
heimisch Im Wattenmeer und auf Helgoland sind derzeit wohl nur zwei Horntangarten heimisch, vier weitere sind mit dem Aussterben der Seegraswiesen um 1930 verschwunden.
Klimaanspruch
nicht bekannt Ceramium-Arten sind weltweit in vielen klimatischen Zonen verbreitet, sie können bei Wassertemperaturen zwischen 12 und 28 °C vorkommen, aber nicht in wirklich kalten Gewässern.
Größe und Alter
Länge: 5 – 30 cm Die Büschel der Rotalge können Längen zwischen 5 und 30 cm erreichen. C. virgatum erreicht Lebensspannen zwischen drei und fünf Jahren.
Aussehen
Hauptachsen schwach geringelt, 30 % hell Die meisten Arten dieser Gattung sind sehr feingliedrig, zart, stark verzweigt und bilden Fadenbüschel von 5 – 30 cm Länge. Beim Ausbreiten der Ästchen wird die kräftige, bräunlichrote Färbung besonders deutlich, die größeren Achsen sind häufig, regelmäßig in knotige Abschnitte gegliedert und weisen eine Art „Rinde“ auf. Die einzelnen Ästchen sind meist fein, rot-weiß, quer geringelt und haben gegabelte Spitzen, die nach innen gebogen sind, wie kleine Zangen oder Kuhhörner, daher kommt auch der Name! Die genaue Artbestimmung kann fast immer nur mit Hilfe eines Mikroskops erfolgen, dann spielt das mögliche Vorhandensein von Dornen / Stacheln, deren Anordnung, die Stärke der „Rinde“ und die Häufigkeit der Verzweigungen, für die Bestimmung eine Rolle. Häufig müssen auch Stengelquerschnitte angefertigt werden. (Weiteres siehe: Ähnliche Arten)
Nahrung
betreibt Photosynthese Da Algen keine Wurzeln besitzen, nur ein Haftorgan (Rhizoid), assimilieren sie normalerweise Mineralsalze und Spurenelemente aus dem Wasser über ein Konzentrationsgefälle direkt in das Innere. Durch diesen osmotischen Prozess „ernähren“ sich die Algen. Außerdem betreiben sie zur Energiegewinnung Photosynthese und produzieren dabei Sauerstoff, sie benötigen für ihr Wachstum also auch ausreichend Licht. Viele der Horntang-Arten besiedeln allerdings auch andere Tange, ob sie sich dabei vielleicht nicht immer nur epiphytisch, sondern teilweise auch parasitisch verhalten, bleibt fraglich.
Feinde
schützen sich gegen Fressfeinde mit giftigen Schwefelkristallen Der Horntang schützt sich gegen Bakterien und Fressfeinde, indem er in seinen Zellen Schwefelkristalle einlagert, die giftig und antibiotisch wirken. Viele Horntangarten sind selbst Aufsitzerpflanzen, sie wachsen als Epiphyten auf anderen Tangen, denen sie Licht und Platz streitig machen und die doppelte Last der Verankerung aufbürden. Einzellige grüne Algen können den Horntang überwuchern und ihn so äußerlich grün färben.
Fortpflanzung
Sporen, sowie Ei- und Samenzellen werden ins Wasser abgegeben, dort kommt es zur Befruchtung Die Fortpflanzung des Horntangs umfasst drei Stadien: Eine zwittrige Alge (1) gibt Sporen ab, aus denen weibliche und männliche Algen gleichen Aussehens (2) wachsen. Diese erzeugen Geschlechtszellen, die nach der Befruchtung an Ästen der Weibchen kleine Kügelchen (3) bilden, die neue Sporen bilden und neue Zwitteralgen (1) ergeben.
Jahreszyklus
besonders häufig im Sommer zu finden ganzjährig anzutreffen, im Sommer allerdings häufiger
Nutzung Gepresste Rotalgen sind als Wand- oder Briefschmuck besonders hüsch.
Hätten Sie gedacht, dass...
... der Rote Horntang neuerdings in verschiedene Arten mit anderen Namen aufgespalten wird und daher z.B. C. virgatum und C. nodulosum heißt?
  • ... Horntang sich gegen Bakterien und Fressfeinde schützt, indem er in seinen Zellen Schwefelkristalle einlagert, die giftig und antibiotisch wirken?
  • ... eine der ersten Studien zur Farbstoffzusammensetzung von Meeresalgen 1920 in Schweden am Roten Horntang erfolgte, weil er dort so häufig ist?
  • ... viele Horntang-Arten als Epiphyten auf anderen Algen wachsen, denen sie Licht und Platz streitig machen und die doppelte Last der Verankerung aufbürden?
  • ... einzellige grüne Algen den Horntang überwuchern und ihn dadurch äußerlich grün färben können?
  • ... Horntang, wenn er auf Miesmuscheln wächst, diese gegen Angriffe von Seesternen schützt, die die bewachsene Muschel schlecht packen können?
  • ... gepresste Rotalgen wunderhübsch als Wandbilder oder Briefschmuck verwendbar sind?
  • ... dass die Gattung Ceramium etwa 190 Arten umfasst?
Klassifikation Horntangartige
Roter Horntang in der WoRMS-Datenbank
Quellen
Schutzstation: Pflanze des Monats 2/2007 Bunker et al (2010): Seasearch Guide to Seaweeds of Britain and Ireland, Mar Cons Soc
Steckbriefbild:
Roter Horntang

Bildinformationen: Roter Horntang

Autoren Rainer Borcherding
Lizenzbesitzer Schutzstation Wattenmeer
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Lizenz cc-by-sa 3.0
Weitere Bilder
Hätten Sie gedacht, dass....
... dass der wissenschaftliche Name übersetzt einfach „Rotes Hörnchen“ bedeutet?