Fingertang (Laminaria digitata)

EN: Oar Weed NL: Vingerwier DK: Fingertang
Kurzbeschreibung Handförmige Braunalge mit kurzem glattem Stiel
Teilsteckbriefe Abgerissene Blattstücke
Fundhäufigkeit 19 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung
Weltweit, Spitzbergen bis Frankreich, Helgoland und westliche Ostsee Verbreitet in gemäßigen Gewässern des Nordens von Frankreich bis Island und Spitzbergen, außerdem an der Ostküste Kanandas. In der Deutschen Bucht bei Helgoland, sonst verdriftet, außerdem im Kattegat und an der deutschen Ostseeküste.
Status
heimisch Der Fingertang wurde als Fucus digitatus das erste Mal von Hudson 1762 beschrieben, und erst ein halbes Jahrhundert später von J.V. Lamouroux der Gattung Laminaria zugeordnet. 1863 fand er als eine der Helgoländer Laminaria-Arten bei Hallier Erwähnung.
Klimaanspruch
wohl wenig empfindlich Kann bei Wassertemperaturen von -0,5 - 15 °C überleben.
Größe und Alter
Blattorgan: 1 - 2 m Länge, 30 - 50 cm Breite Das Blattorgan kann 1 - 2 m Länge erreichen und wird 30 - 50 cm breit. Die Lebensdauer beträgt normalerweise zwischen 6 und 10 Jahren. Die Zoosporen sind ca. 5µm groß.
Aussehen
Fingerförmig geteilt, Stiel dünn, bis 10 cm Große, mehrjährige Pflanze mit wurzelartiger Haftkralle (Rhizoid) und einem langen, abgeflachten und ovalen (!), biegsamen, glatten Stiel (Cauloid). Dieser wird etwa 20 - 40 cm lang und 2 cm dick. Das dunkelbraune Blattorgan (Phylloid) ist fingerförmig in Längsrichtung geschlitzt, es erreicht eine Länge von etwa 100 - 200 cm und eine Breite von 30 - 50 cm. Das Phylloid ist immer etwas schleimig, sehr derb und lederartig, es setzt sich an seiner Basis ohne Ausrandung in den glatten Stiel fort. Die Wachstumszone liegt wie bei allen Laminaria-Arten an der Basis des großen Blattes.
Nahrung
assimiliert Mineralsalze und Spurenelemente aus dem Wasser, benötigt Licht für Photosynthese Die Mechanismen zur Nährstoffaufnahme bei Laminaria-Arten sind bisher erst wenig erforscht worden, deshalb lässt sich nur allgemein formulieren: Algen beziehen Nährstoffe, wie Mineralsalze und Spurenelemente, aus dem Wasser. Über ein Konzentrationsgefälle gelangen diese direkt in das Innere. Durch diesen osmotischen Prozess „ernähren“ sich die Algen. Außerdem betreiben sie zur Energiegewinnung Photosynthese und produzieren dabei Sauerstoff, sie benötigen für ihr Wachstum also auch ausreichend Licht.
Feinde
Seeigel, Schnecken, Meerasseln Sowohl eine Meerassel (Idotea granulosa), als auch die Gebänderte Grübchenschnecke (Lacuna vincta) und die Aschgraue Kreiselschnecke (Gibbula cineraria) fressen bevorzugt fortpflanzungsfähige Tange mit „Sporenflecken“ (Sori), was sich auf den Fortpflanzungs-Erfolg des Fingertanges auswirken könnte. Seeigel sind in der Lage Laminaria-Bestände in kürzester Zeit völlig kahl zu fressen, eine mögliche Ursache dafür könnte die Überfischung von Hummern sein, die in bestimmten Gebieten die Haupt-Fressfeinde für Seeigel darstellen.
Jahreszyklus
Fortpflanzungszeit: April - Dezember Hauptwachstumszeit: Februar - Juli Die Tange werden mit 1 - 2 Jahren geschlechtsreif Fortpflanzungszeit: April - Dezember, von September - November bilden sich neue Fruchtkörper Hauptwachstumszeit: Februar - Juli, danach langsamer
Nutzung
Lebensmittel- und Pharmaindustrie, als erneuerbare Energieträger und natürlicher Küstenschutz Fingertang wird in Westeuropa zur Alginat-Gewinnung geerntet. Alginate finden sich heute überall in unserer Nahrung: als Emulgatoren in Salatdressings, Stabilisatoren in Eiscremes oder als Verdickungsmittel in Saucen und Sirups. Für das Jahr 2005 wurde in Frankreich eine Erntemenge von 75.000 t angegeben, in Norwegen eine von 154.000 t. Die Algen-Produktion beträgt 23% (nach Gewicht) an der Aquakultur-Produktion und 10% an deren Gewinn. In Japan wird der dort „Kombu“ genannte Tang in Suppen, Salaten und Tees verwendundet und süß, salzig oder geröstet gegessen. Marine Großalgen sind außerdem hervorragende Energieträger, sie bilden eine natürliche Ressource an Methan, Methanol und Ethanol. Sie könnten als alternative, CO2-neutrale Rohstoffe eingesetzt werden. Nicht zuletzt fungieren angespülte Großalgen als natürlicher Küstenschutz, und Laminarien-Spülsäume schützen Dünen und tragen zum Aufbau von Stränden bei.
Hätten Sie gedacht, dass...
... der wissenschaftliche Name übersetzt einfach „gefingertes Blatt“ bedeutet?
  • ... dass Laminaria-Arten Jod bis zu 30.000-fach aus ihrer Umgebung anreichern und damit die besten Jod-Akkumulatoren der Erde und die wichtigste Quelle für dieses Element sind?
  • ... der Jodgehalt des Tanges gegen Schilddrüsenerkrankungen schützt?
  • ... der asiatische Fingertang „Haidai“ in China wohl schon 2700 v.Chr. gegessen wurde? Heute produziert und verspeist China 2,5 Mio Tonnen jährlich.
  • ... in Großbritannien und Irland jahrhundertelang der angespülte Tang auf unwirtliche Felsinseln geschleppt wurde, um dort Ackerland zu erzeugen?
  • ... ab etwa 1700 in Irland und Schottland aus verbranntem Tang Soda zur Erzeugung von Seife und für die Glasherstellung gewonnen wurde?
  • ... bei der Verbrennung des Tangs - z.B. 400.000 t in Schottland im Jahr 1800 - so manches Torfmoor als Brennstoff verheizt wurde?
  • ... dass auf Fingertang-Exemplaren vor Helgoland bis zu 154 Lebewesen gefunden wurden? Die Tange bieten Lebensraum für die verschiedensten Fische und Wirbellose und spielen darüberhinaus eine entscheidende Rolle für das Überleben vieler Vogelarten.
ähnliche Arten Der Fingertang ist leicht mit dem Palmtang (Laminaria hyperborea) zu verwechseln, dessen Stiel aber länger, rund und rauh ist. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal lässt sich nur bei niedrigen Wasserständen feststellen: der Palmtang bleibt trotz fehlendem Wasser fast aufrecht stehen, im Gegensatz dazu fällt der Fingertang meist nach vorn über.
Klassifikation Palmtangartige
Fingertang in der WoRMS-Datenbank
Quellen http://www.marlin.ac.uk/biotic/browse.php?sp=4228 Dr. Inka Bartsch, Dr. Ralph Kuhlenkamp (Dezember 2004): WRRL-Klassifizierungssystem WK Helgoland: Historisches Leitbild der Makrophytenvegetation Helgolands Inka Bartsch , Christian Wiencke , ... (2008): The genus Laminaria sensu lato : recent insights and developments, European Journal of Phycology, 43:1, 1-86
Steckbriefbild:
Fingertang

Bildinformationen: Fingertang

Autoren Rainer Borcherding
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