Stumpfe Strandschnecke (Littorina obtusata)

EN: Flat periwinkle NL: Stompe alikruik DK: Butspiret strandsnegl
Kurzbeschreibung Platte Strandschnecke mit halbhoher Öffnung, braun, oft marmoriert
Teilsteckbriefe Stumpfe Strandschnecke (gelb)
Fundhäufigkeit 21 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Strandschnecke reicht vom Mittelmeer bis nach Nordnorwegen. Besonders in den Seetangwiesen und -wäldern der Küsten Großbritanniens, Irlands und vor Helgoland kann man L. obtusata finden.
Status
heimisch
Größe und Alter
Gehäuse: 1,7 cm lang; 1,5 cm breit; Alter: ca. 3 Jahre L. obtusata wird meist ca. 1,7 cm lang und 1,5 cm breit. Mit 2 Jahren werden die Schnecken geschlechtsreif, leben häufig aber nicht länger als 3 Jahre.
Aussehen
Kugeliges, solides Gehäuse, ca. 1 cm lang, letzte Windung sehr groß, Sutur kaum zu sehen; oft farbig Wie Littorina littorea hat auch ihre „Schwester“ die Stumpfe Strandschnecke ein solides, dickwandiges Gehäuse, welches sich in seiner Form allerdings völlig von dem der Gemeinen Strandschnecke unterscheidet. Es ist kürzer (17 mm lang, 15 mm breit), kugelig und oben abgeplattet, die Spirale ist stark reduziert und eine Spitze fehlt (daher der Name). Die letzte Windung ist stark nach außen gewölbt, sie macht den Hauptteil (ca. 90%) der Gehäuselänge aus. Eine Vertiefung zwischen den einzelnen Windungen, auch Naht oder Sutur genannt, ist nicht oder nur wenig zu erkennen. Die Oberfläche der Gehäuse kann glatt erscheinen, die letzte Windung weist allerdings einige querverlaufende Wachstumsrillen auf, die vorangegangene Positionen der Gehäusemündung darstellen und sich mitunter hell abheben. Außerdem kann man beim genauen Hinschauen auch zahlreiche Längslinien erkennen, die häufig stärker gefärbt sind. Die Öffnung des Gehäuses ist ohrförmig, die Äußere Lippe (Außenseite der Mündung) bildet zur letzten Windung eine Tangente, schmiegt sich also fast ohne Kerbe an sie an. Nach unten hin wird sie immer breiter und verbindet sich mit der Inneren Lippe zu einem hell-gelblichen oder weißen Band. In ihrer Körperform ähneln die Tiere L. littorea, ihre Farbe orientiert sich allerdings an der des Gehäuses, wodurch es zu zahlreichen Variationen von dunkelbraun über gelb bis zu hellgrün kommen kann, die Fußunterseite ist meist weiß. Auf dem Kopf tragen sie zwei breite, flache Fühler, an deren Basis jeweils ein knubbeliges Auge sitzt. An ihrem Fuß tragen die Schnecken eine Art horniges „Türchen“ mit sich herum, das Operculum. Damit können sie ihr Gehäuse hinter sich fest verschließen und sind so vor Angreifern oder Trockenheit geschützt. Häufig findet man Gehäuse die durch Sonne, Wind und Wasser gestaltet wurden und Muster aus Streifen und Bändern aufweisen, auch rötliche, orange oder weißliche Häuschen können vorkommen.
Lebensweise
kriechen häufig auf Seetang umher Häufig sind die Tiere auf Seetang umherkriechend zu finden, bei Ebbe suchen sie unter den Wedeln der Algen Schutz vor Austrocknung und Fraßfeinden.
Nahrung
Braun- und Grünalgen L. obtusata ernährt sich von pflanzlichem Material aller Art, das sie mit ihrer Raspelzunge (Radula) abknabbert. Bevorzugt frisst sie Braun- oder Grünalgen, wie zum Beispiel: Blasentang (Fucus vesiculosus), Knotentang (Ascophyllum nodosum) oder Meersalat (Ulva lactuca).
Feinde
hungrige Fische, Vögel und Krebse Besonders beliebt sind die Schnecken bei Strandkrabben. Vor Feinden wie Fischen (Seeskorpion, Lippenfische) und Vögeln, versuchen sich die Tiere durch clevere Tarnung zu schützen, Individuen mit grünem Gehäuse fallen auf Fucus vesiculosus z.B. kaum auf und können leicht mit den Gasblasen des Tanges verwechselt werden.
Fortpflanzung
getrenntgeschlechtlich, kein planktisches Larvenstadium Wie andere Strandschnecken auch, so ist die Stumpfe Strandschnecke ebenfalls getrenntgeschlechtlich (hermaphroditisch), es gibt also Weibchen und Männchen. Im Prinzip können sich die Schnecken das ganze Jahr über fortpflanzen, im Frühling und zu Beginn des Sommers kommt es allerdings vermehrt zur Eiablage. Die Männchen besitzen einen flachen Penis, nach der Kopulation können die Weibchen das Sperma noch bis zu 3 Monate speichern. Meist findet die Befruchtung der Eier also erst lange nach der Paarung statt. Dann legen die Weibchen ihre „Eipakete“ von 50 – 150 Eiern normalerweise auf Seetang oder manchmal auch auf Steinen ab. Die kleinen Eier sind weiß, bohnenförmig und in gallertartige Hüllen eingepackt. Nach ungefähr vier Wochen schlüpfen aus ihnen direkt die „fertigen“ Jungschnecken. Die Stumpfe Strandschnecke durchlebt also keine pelagische Larvenphase, sondern die winzigen Schneckenbabys kriechen einfach davon und beginnen ein eigenes Schnecken-Leben. Mit 2 Jahren werden die Jungschnecken ihrerseits wieder geschlechtsreif und können sich fortpflanzen. Problematisch für den Fortpflanzungserfolg der Strandschnecken ist das giftige TBT (Tributylzinn) aus Bootsanstrichen, welches die Weibchen zu unfruchtbaren Zwittern macht.
Jahreszyklus
Fortpflanzung: Frühling – Sommerbeginn Die Fortpflanzung findet meist im Frühling und Frühsommer statt.
Nutzung
teilweise als Nahrungsmittel Strandschnecken werden vielerorts gegessen, wobei man sie nach dem Kochen mit einer Nadel noch aus dem Gehäuse pulen muss.
Klassifikation Schnecken
Stumpfe Strandschnecke in der WoRMS-Datenbank
Quellen
Schutzstation Wattenmeer: Stumpfe Strandschnecke, Tier des Monats, Januar, 2003. http://species-identification.org/species.php?species_group=mollusca&id=774&menuentry=soorten
Steckbriefbild:
Stumpfe Strandschnecke

Bildinformationen: Stumpfe Strandschnecke

Autoren Rainer Borcherding
Lizenzbesitzer Schutzstation Wattenmeer
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Lizenz cc-by-sa 3.0
Weitere Bilder
Hätten Sie gedacht, dass....
… dass die Gehäusefarbe der Art oft dem Habitat angepasst ist, in dem sie leben ? Auf Seetang sind die Häuser oliv- bis hellgrün, Individuen im Sandwatt zeigen gelbliche Farbtöne, an Felsküsten lebende Exemplare bis schwarzbraun gefärbt.