Gewöhnlicher Einsiedler (Pagurus bernhardus)

EN: Common hermit crab NL: Heremietkreeft DK: Eremitkrebs
Kurzbeschreibung Dickarmiger Hausbesitzer mit Rückzugstendenz im Gefahrenfall
Teilsteckbriefe Schere Einsiedlerkrebs
Bein Einsiedlerkrebs
Kindersteckbrief Einsiedler sind Aasfresser und Räuber, die zusätzlich Mikroorganismen des Bodens fressen, indem sie Sandkörner „ablutschen“. Wenn sie wachsen, müssen sie stets ein größeres Schneckenhaus finden, in das sie umziehen. Da passende Häuser oft knapp sind, ziehen sie mitunter in übergrosse Gehäuse um. Im Frühjahr legt das Weibchen 1.- 30.000 Eier, die durch eingestrudelte Spermien im Gehäuse befruchtet werden. Die planktischen Larven gehen erst nach Wochen zum Bodenleben über. Häufig sind die von Einsiedlern bewohnten Gehäuse mit einer stacheligen braun-rosa Kruste überzogen. Dies sind Kolonien des Stachelpolyps, eines Nesseltieres. Der Polyp vergrössert das Gehäuse mit Kalk passgenau für den Krebs. Im Gegenzug wird der Polyp herumgetragen, was ihn vor Übersandung schützt.
Fundhäufigkeit 126 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung
Nordsee, Ostsee, Atlantik Vom Mittelmeer über Atlantik und Nordsee bis zur westlichen Ostsee verbreitet.
Status
heimisch
Klimaanspruch
wohl wenig empfindlich Die Art ist vermutlich gegen Temperaturänderungen wenig empfindlich
Aussehen
Rechte Schere groß, ohne Borsten oder Längskanten Gelbbraun und rot gefärbter Krebs mit zwei unterschiedlich großen Scheren und nur vier Laufbeinen, steckt stets in einem leeren Schneckenhaus. Hinterleib weichhäutig und gedreht mit zu einem Haken umgeformtem Schwanzfächer. Bei Gefahr zieht der Krebs sich blitzartig in sein Gehäuse zurück, so dass der Eingang überwiegend von der großen Knackschere (rechts) verschlossen wird.
Lebensweise Da die Schneckenhäuser nicht mit dem Krebs mitwachsen, müssen Einsiedler gelegentlich umziehen. Am Nordseegrund herrscht akute Wohnungsnot, besonders in der mittleren Größenklasse zwischen Strand- und Wellhornschnecke. Deshalb nutzen die Krebse fast jede Gelegenheit zu einer "Vergrößerung" und schleppen mitunter sehr sperrige Häuser umher. Auf Schneckenhäusern von Einsiedlerkrebsen siedelt sich oft ein Überzug von Stachelpolypen an, die eine braune Kalkkruste bilden und winzige rosa Tentakelköpfe aus den Stacheln hervorstrecken. Diese Kolonie des Stachelpolypen kann den Gehäuseeingang des Schneckenhauses erweitern, so dass der Krebs nicht umziehen muss, und schützt den Krebs mit Nesselzellen. Im Gegenzug wird die Polypenkolonie vom Krebs umher getragen, so dass sie nicht versandet und besser mit Nahrung versorgt wird. Diese Lebensgemeinschaft zum beiderseitigen Vorteil ist eine klassische "Symbiose". Im Mittelmeer leben Einsiedler auch in Symbiose mit einer großen nesselnden Seeanemone, die der Krebs sich auf das Gehäuse pflanzen, um sich vor Angriffen von Octopus-Kraken zu schützen.
Nahrung Einsiedler sind Aasfresser und Räuber und gehören zur "Straßenfeger-Fraktion" der Meerestiere. Sie nehmen Kleinteile von der Bodenoberfläche auf oder schaufeln sich Sand in den Mund, um winzige Sandlücken-Bewohner zu fressen. Allerdings greifen sie auch Würmer, Seepocken, Muscheln, kleinere Artgenossen und verletzte größere Tiere an. Aas wird ebenfalls gefressen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend mit der kleineren Greif- oder Pinzettschere, während die Knackschere die Beute nur festhält.
Fortpflanzung Im Frühjahr legt das Weibchen je nach Größe zwischen 1000 und 30.000 Eiern, die mit eingestrudelten Spermien im Gehäuse befruchtet werden. Zur Belüftung seiner drei an der Bauchfüßen angehefteten Eipakete verlässt das Weibchen mitunter sogar sein Gehäuse. Nach dem Schlupf durchlaufen die Larven im Plankton schwimmend mehrere Zwischenstadien (Zoea, Megalopa), ehe sie mit 4 mm Größe ein Schneckenhäuschen suchen und zum Bodenleben übergehen. Die Ansiedlung der Jungkrebse erfolgt meist im Flachwasser, wo das beste Angebot an sehr kleinen Schneckenhäusern besteht (Wattschnecke, junge Strandschnecken). Mit zunehmender Größe wandern die Krebse seewärts, da dort größere Schneckenhäuser zu finden sind.
Hätten Sie gedacht, dass...
... man bei im Watt angespülten Wellhornschnecke immer damit rechnen muss, dass ein Einsiedler darin sitzt - oft weit hinten im Gehäuse verborgen?
  • ... das dritte und vierte Beinpaar des Krebses verkürzt sind und als „Klospülung“ das Haus reinigen?
  • ... diese Krebse mit „Messer und Gabel“ essen? Die große linke Schere zerkleinert die Nahrung, die kleine rechte führt als „Gabel“ das Futter zum Mund.
  • ... die Scheren sich der Form der Gehäuseöffnung anpassen und sie optimal verschliessen?
  • ... die Scheren an Sollbruchstellen abgeworfen werden können, wenn ein Feind versucht, den Krebs daran aus dem Gehäuse zu zerren?
  • ... Einsiedler als Aasfresser von der intensiven Fischerei in der Nordsee profitieren, da sie sich von den Opfern der Grundschleppnetze ernähren?
Klassifikation Zehnfußkrebse
Gewöhnlicher Einsiedler in der WoRMS-Datenbank
Steckbriefbild:
Gewöhnlicher Einsiedler

Bildinformationen: Gewöhnlicher Einsiedler

Autoren Rainer Borcherding
Lizenzbesitzer Schutzstation Wattenmeer
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Lizenz cc-by-sa 3.0
Weitere Bilder
Hätten Sie gedacht, dass....
... man den Einsiedlerkrebs früher auch Diogenes-Krebs nannte in Anlehnung an den gleichnamigen griechischen Philosophen (4. Jh. v. Chr.), der angeblich in einer Tonne wohnte?