Nabel-Purpurtang (Porphyra umbilicalis)

EN: Purple laver NL: Navelwier DK: Navle-purpurhinde
Kurzbeschreibung Wie braune Plastikfolie mit Mittelpunkt
Fundhäufigkeit 2 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung
Weltweit, Kanaren bis Nordkap, Wattenmeer und Kattegat Überall an den atlantischen Küsten Europas von Island und dem Nordkap bis Gibraltar und zu den Kanaren, aber wohl nicht im Mittelmeer. Punktuell eingeschleppt im Nordosten Amerikas, in Brasilien(?) und in Australien. In der Nordsee überall, auch im Wattenmeer, in der Ostsee nur im Kattegat.
Status
heimisch Im Wattenmeer leben 3 einheimische Porphyra-Arten, auf Helgoland 7. Die Gattung wurde 1824 von C. Agardh festgelegt.
Klimaanspruch
wohl wenig empfindlich Die bei uns heimischen Purpurtang-Arten sind an kühl-gemäßigte Meeresgebiete gebunden.
Größe und Alter
Länge: 10 – 30 cm Die Thalli von Porphyra-Arten können 2 bis 300 cm lang werden, in unseren Breiten aber meist nur bis 30 cm.
Aussehen
Braunrotes Blatt, mittig angewachsen Diese Rotalgengattung, die von rosa-pink über mauve bis oliv-grün, braun und purpurbraun in allen Tönen gefärbt sein kann, kommt mit 3 Arten im Wattenmeer vor und mit 7 Arten auf Helgoland. Sie bildet 10 - 30 cm lange, flache, sehr dünne, folienartige „Blätter“ (Thalli), die gewellt, zerknittert oder gerafft sein können. Mittels eines scheibenartigen Haftorgans (Rhizoid) halten sich die Pflanzen an Steinen oder auf Muscheln fest, einige weisen auch noch einen kurzen „Stiel“ (Cauloid) auf. Bei Niedrigwasser trocknen die Blätter bald aus, da sie nur aus ein oder zwei Zellschichten bestehen. Dabei spannen sie sich pergamentartig, verfärben sich schwärzlich und stellen die Lebensfunktion ein. Befeuchtet die Flut sie, werden sie wieder „munter“. Ständig überflutete Exemplare sind meist zarter als die Trockenfallenden. Da die Färbung der Thalli von Art zu Art, aber auch innerhalb einer Art stark variieren kann, gibt es nur sehr wenige Unterscheidungsmerkmale, oft ist die genaue Artbestimmung fast unmöglich. Findet man Exemplare, die bandförmig und am Rand farblos, in der Mitte rot sind, ist es wahrscheinlich der Gewöhnliche Purpurtang (P. purpurea), eine Winterform. Ist das Blatt in der Mitte wie mit einem Bauchnabel festgewachsen und hat farblose oder tiefrote Flecken, ist es vermutlich der Nabel-Purpurtang (P. umbilicalis), eine Sommerart.
Biotop
auf Hartsubstrat Die Purpurtange siedeln teilweise im Gezeitenbereich, teilweise in ständig überfluteten Bereichen wie dem Flachwasser. Im Wattenmeer sind die Purpurtange vor allem in der mittleren Gezeitenzone auf natürlichen und künstlichen Hartsubstraten anzutreffen, also auf Steinen, Felsen, Muschelschalen, Mauern, Bojen und Ankerketten.
Nahrung
betreibt Photosynthese Der Purpurtang hat eine „innere Uhr“, die ihm hilft, jeden Tag intensiv Photosynthese zu betreiben und in der Nacht jeweils ein Stückchen weiter zu wachsen.
Fortpflanzung
zweihäusig (diözisch), weibliche und männliche Keimzellen werden ins Wasser entlassen, dort kommt es zur Befruchtung Purpurtange können sich sowohl geschlechtlich, als auch steril fortpflanzen. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt via Sporen, die ins Wasser abgegeben werden und neue Tange bilden, die genetisch identisch mit den Mutterpflanzen sind. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung produzieren männliche und weibliche Geschlechtsorgane (dunkelrote Flecke) in unterschiedlichen Bereichen der Tange, oder auf unterschiedlichen Exemplaren, Geschlechtszellen (Gameten). Die männlichen Gameten werden ins Wasser entlassen und befruchten die weiblichen Gameten auf den Thalli. Nach der Befruchtung bildet sich auf den Thalli diploides Zygotosporangia, welches Zygotosporen produziert und ins Wasser entlässt, wo sich die Sporen z.B. auf leeren Muschelschalen ansiedeln. Die Sporen keimen und entwickeln sich zu sehr feinen, dünnen Algenfäden, die sich vermehren und früher für eine eigene Art gehalten wurden. Diese Phase der Fortpflanzung nennt man auch Conchocelis-Phase, nach dem griechischen Wort für Muschel. In dieser Phase wird wiederum eine Art Geschlechtsorgan gebildet, das Conchosporangium, welches durch Zellteilung (Meiose) haploide Conchosporen bildet, die sich auf geeignetem Substrat ansiedeln, zu keimen beginnen und sich schließlich zu ausgewachsenen Tangen entwickeln, sichtbar als „Nori“-Blätter.
Nutzung
Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel In Asien wird der Purpurtang seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel genutzt, und umhüllt z.B. als „Nori“ jedes japanische Sushi-Röllchen. Schon vor 300 Jahren wurden dort Purpurtange auf Reisigbündeln gezüchtet. Heute geschieht das in industrialisierter Form auf Netzen. Die Zuchtnetze werden im Sommer in Kühlhäusern, um die Tange an der Sporenproduktion zu hindern und so „ewiges“ Blattwachstum zu erzielen. In der Nori-Produktion in Japan sind rund 300.000 Menschen beschäftigt, die Weltjahresernte an Purpurtang beträgt 900.000 Tonnen, im Wert von zwei Milliarden Euro. Der Tang enthält zwar null Kalorien, dafür aber viele wichtige Vitamine und Spurenelemente, damit ist er vor allem zu Reis eine wertvolle Nahrungsergänzung.
Hätten Sie gedacht, dass...
… dass der Purpurtang das Hormon Melatonin enthält, das gegen Jet-Lag hilft?
Klassifikation Purpuralgenartige
Nabel-Purpurtang in der WoRMS-Datenbank
Quellen
Schutzstation: Pflanze des Monats 3/2004 Brodie, J.A. and Irvine, L.M. 2003. Seaweeds of the British Isles. Volume 1 Part 3b. The Natural History Museum, London. ISBN 1 898298 87 4
Steckbriefbild:
Nabel-Purpurtang

Bildinformationen: Nabel-Purpurtang

Autoren Rainer Borcherding
Lizenzbesitzer Schutzstation Wattenmeer
Lizenzhinweis Copyrighted Material; the copyright remains with the author (not this web publication)
Lizenz cc-by-sa 3.0
Hätten Sie gedacht, dass....
… dass der Gattungsname Porphyra = Purpur sich vom kostbaren Purpur-Farbstoff ableitet, der schon im Altertum aus Meeresschnecken gewonnen wurde?